Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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Meinungen, Gedanken und nur einen Willen. Dieſe Gleichheit der Geſinnung erſtreckte ſich auf alle Einzel⸗ heiten, auf die geringſten Kleinigkeiten des Lebens. Stets trugen ſie denſelben Anzug, dieſelben Kleider und Hüte; ihre Lieblingsgerichte, ihre Speiſen waren dieſelben. Da⸗ durch wurde ihre Erſcheinung nur noch auffallender, wenn ſie, von gleicher Größe, um wenig Jahre nur von einander verſchieden, in dieſelben Stoffe gekleidet, Arm in Arm, wie zwei Abbilder aus derſelben Form, auf der Straße ſich zeigten; was freilich nur ſelten geſchah, da ſie am liebſten zu Hauſe blieben, wo ſie ungeneckt und ungeſtört von Andern mitſammen verweilten. Selbſt die Zeit der jung⸗ fräulichen Entwicklung und Reife brachte in dem Leben der Schweſtern keine Veränderung hervor. Sie kannten keinen Mann außer ihrem Vater näher und hatten weder Sehnſucht noch Gelegenheit dazu. Dem Hofmedicus war nie der Gedanke gekommen, ſeine Töchter zu verheirathen; ſie wurden älter und verblühten, aber er bemerkte es nicht, nur mit ſeinen Büchern und der Praxis beſchäftigt. Die Aermſten hatten keine Ahnung, daß es noch eine andere

Liebe gebe, als die zwiſchen Geſchwiſtern und da ihr Vater

ſtarb, waren ſie bereits verſchrumpfte, alte Jungfern, ohne

es ſelbſt nur zu wiſſen. Dieſer Tod änderte nichts in ihren Verhältniſſen und Alles blieb wie bisher; ſie bezogen

die Zinſen der bedeutenden Erbſchaft, ohne dieſelben ver⸗