Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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während nur die leeren Särge begraben wurden. Aller⸗ dings ſtanden in ſeiner Studirſtube, welche Niemand be⸗ treten durfte, zwei mit beſonderer Sorgfalt präparirte Todtengerippe, mit welchen ſich der Hofmedicus oft Stun⸗ den lang beſchäftigte. Ob dieſelben aber ſeiner Gattin und dem todten Knaben angehörten, konnte freilich kein Menſch mit Gewißheit behaupten. Andere Angehörige hatte der Doctor nicht und die Verwandten ſeiner Frau waren ihm aus ihm allein bekannten Gründen dermaßen verhaßt, daß ſie ſchon nicht bei ihren Lebzeiten, um ſo weniger erſt nach ihrem Tode, ſein Haus betreten durften. So wuchſen die Töchter ohne jede Geſ ellſchaft und in der größten Abgeſchie⸗ denheit auf; ſie kannten keinen Menſchen als ihren Vater und die alte Frau, welche ihm ſeit dem Tode der Gattin, die Wirthſchaft führte und dem Hausweſen vorſtand. Da die Todtenfräulein, wie man ſie allgemein nannte, von den übrigen Kindern geflohen wurden, mit Niemand ver⸗ kehrten, mit Keinem ſpielten, ſo waren ſie lediglich auf ſich ſelber angewieſen. Je mehr die Außenwelt ſie mied, deſto inniger ſchloſſen ſie ſich einander an und ſo entwickelte ſich allmälig und naturgemäß eine geſchwiſterliche Liebe ohne Gleichen auf der Welt. Sie waren einander Alles, Schwe⸗ ſtern, Freundinnen und Geſpielinnen, kein Dritter drängte ſich in ihre Neigung ein und ſtörte dieſes innige Verhält⸗

niß. Sie hatten denſelben Geſchmack, dieſelben Wünſche,