Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2 4

wurde und dadurch eine fabelhafte Höhe im Munde des Volkes erreicht hatte. Uralte Greiſe erinnerten ſich noch aus ihrer Jugendzeit an den Hofmedicus Arnold, oder Arnoldus, wie er ſich ſelber nannte; er ging immer in einem rhabarberfarbenen Frack, in einer geſtickten Weſte mit breiten Schößen, in ſeidenen Strümpfen, welche ſeine ſtattlichen Waden hervorhoben und in Schuhen mit großen, ſilbernen Schnallen. Den dreieckigen Hut hielt er ſtets in der einen, den großen Bambusſtock mit goldenem Knopf in der andern Hand; er trug den längſten Zopf in der ganzen Stadt und als dieſe Friſur ſchon längſt aus der Mode war, konnte er ſich nicht entſchließen, dieſelbe ab⸗ zuſchneiden. In ſeinem letzten Willen verordnete er aus⸗ drücklich, daß er mit dem Zopf begraben werden wollte; was auch gewiſſenhaft von ſeinen Töchtern befolgt wurde. Er galt für einen beſonders geſchickten Arzt, und wurde hauptſächlich bei ſehr gefährlichen Fällen zu Rathe gezogen; weshalb das gemeine Volk ihn auch denTodtendoctor nannte. Nach und nach hatte ſich mit dieſer Bezeichnung eine beſonders ſchauerliche Nebenbedeutung verbunden und

die Kinder auf der Straße erſchraken und liefen ſchreiend davon, wenn derTodtendoctor ſich zeigte; die alten Weiber bekreuzten ſich bei ſeinem Anblick, indem ſie ihn

mit dem Tode ſelbſt verwechſelten. Dieſe Furcht erſtreckte

ſich bald auf ſein ganzes Haus und ſeine amilie, welche ſich uif ſeins 3 ſeine F

*

3 4 8 1