Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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beſtanden habe. Er ſprach dabei ſo eifrig und hielt ſie ſo feſt, als wollte er ſich niemals von ihr trennen.

Ich werde, ſagte die Gräfin lächelnd,Deine Freundin bitten, uns zu beſuchen, wenn ihr Vater nichts dagegen hat. Willſt Du zu mir kommen? fragte ſie freundlich.

Und Lieschen ließ ihre klugen Augen von der Gräfin zu Wilhelm und von dieſem zur Gräfin ſchweifen und nickte mit dem kleinen Köpfchen, wobei ſich ihre Freude in dem offenen Geſicht verrieth.

Willſt Du kommen? wiederholte Wilhelm noch einmal.

Von ganzem Herzen, antwortete ſie, ſich von einem natürlichen Inſtinkt geleitet an die Gräfin näher anſchmiegend.

Sie kam auch und bald war das Haus der Gräfin, oder vielmehr des Miniſters, ihre wahre Heimath, ſeitdem Herr von der Lahr ſich mit der angebeteten Frau verhei⸗ rathet hatte. Wilhelm erhielt eine ſeinem Stande ange⸗ meſſene Erziehung, er ſtudirte fleißig und machte ein Exa⸗ men nach dem andern mit Auszeichnung. Unterdeß wächſt auch Lieschen zu einer blühenden Jungfrau heran. Beide ſind die beſten Freunde, obgleich ſich das ſchöne Mädchen allmälig ein wenig zurückzieht und nicht mehr die wilden Spiele ihres Jugendgenoſſen theilt. Es ſcheint ſogar, als ob ſie ihn abſichtlich miede, auch wird ſie jedes Mal