Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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roth, wenn von ihm die Rede iſt. Sie ſchilt auch zuwei⸗ len und zankt mit ihm, dagegen vertheidigt ſie ihn oft mit allzulebhaftem Eifer, ſo daß ſie ſich ganz erhitzt, wenn ihn andere Mädchen, in gleichem Alter wie ſie, angreifen. Sie ſelbſt iſt lange nicht mehr die wilde Hummel, welche ſie einſt war, ſondern ſanft und überaus weiblich zart. An der Miniſterin hängt ſie mit ganzer Seele und liebt ſie wie ihre wirkliche Mutter, ſeitdem die Baronin im Irrenhauſe geſtorben iſt. Ihr Vater kümmert ſich nur wenig um ſie, und läßt ihr in allen Stücken ihren freien Willen, den ſie jedoch nicht mißbraucht. In dem Mini⸗ ſter ſieht ſie das Ideal eines Mannes; ſie ſchwärmt für ihn wie gewöhnlich jüngere Mädchen für ältere Männer. Es hat jedoch durchaus keine Gefahr; die Miniſterin iſt nicht eiferſüchtig, beſonders ſeitdem ſie weiß, daß Lies⸗ chen ſich mit Wilhelm, der die Univerſität ſo eben mit ſei⸗ nem Freunde Gottfried bezieht, im Stillen verſprochen hat; ein Geheimniß, das wir unſern Leſern unter dem Siegel der Verſchwiegenheit anvertrauen, obgleich es bald alle Welt erfahren wird.

Ende des zweiten Cheils.

Leipzig, Druck von Gieſecke& Devrient.