Kurze Zeit darauf erkrankte mein Gatte und zwar ſo ſchnell und gefährlich, daß er ohne Teſtament ſtarb, ohne Anord⸗ nungen zu treffen, ohne ſeine geheimen Papiere zu ver⸗ nichten. In ſeinem Nachlaſſe fand ich die Beweiſe ſeiner Schuld, ſeinen Briefwechſel mit meiner Schweſter. Ich erſah daraus, daß ſie ſich nach Deutſchland gewendet und hier in der Reſidenz einen Knaben geboren habe, der frem⸗ den Leuten zur Pflege anvertraut werden mußte, weil ſie ſelbſt gefährlich erkrankt war. Ihr letzter Brief, kurz vor ihrem bald darauf folgenden Tode geſchrieben, war an mich gerichtet und enthielt das volle Geſtändniß ihrer Schuld. Der Graf hatte dieſes Schreiben unterſchlagen, um mir den Schmerz, ſich die Beſchämung zu erſparen. Sie hatte mich beſchworen, für ihr hinterlaſſenes Kind Sorge zu tragen, indem ſie es meinem Edelmuth als ihr einziges, trauriges Vermächtniß empfahl. Leider mangel⸗ ten alle genauern Angaben, weil ſie vorausſetzte, daß der Graf, welcher vollkommen unterrichtet geweſen ſchien, mir die näheren Umſtände mittheilen würde. Dies konnte nicht geſchehen, da der Tod ihn früher ereilt hatte und ſelbſt die leiſeſten Spuren über das Verbleiben des Kindes trotz aller meiner Bemühungen nicht aufzufinden waren. In den vorhandenen Briefen fehlte jede Andeutung, den⸗ noch gab ich nicht die Hoffnung auf. So bald ich mich von dieſem doppelten Verluſte erholt und meinen un⸗ 14*
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