Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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nennbaren Schmerz einigermaßen überwunden hatte, kehrte ich nach Deutſchland zurück, um das Kind meiner unglücklichen Schweſter aufzuſuchen. Ich wandte mich vergebens an die betreffenden Behörden, endlich auch an Sie, obſchon ich wußte, welchen Mißdeutungen ich mich ausſetzte.

Sie beſchämen mich, unterbrach ſie Herr von der Lahr.Ich geſtehe, welch ein Thor ich war, die edelſte Frau der Welt ſo zu verkennen.

Ich habe Sie vollkommen entſchuldigt. Jetzt aber habe ich nur den einen Wunſch, das Kind meiner Ottilie, meiner armen Schweſter, zu ſehen und in meine Arme zu ſchließen. Laſſen Sie mich nicht länger auf dieſen längſt erſehnten Augenblick warten.

In dem Wagen des Miniſters fuhr die Gräfin bei der Wittwe Schneider zum nicht geringen Erſtaunen der Nachbarſchaft vor. Das war ein Schauſpiel, das ſich nicht ſchildern läßt, wie ſie den überraſchten Knaben in die Arme ſchloß, an ihr Herz drückte und ſeine friſchen Wan⸗ gen mit ihren Thränen benetzte. Wilhelm wußte nicht wie ihm geſchah, als die ſchöne Frau ihn mit ſich nahm und ihm erklärte, daß ſie ſich nie mehr von ihm trennen würde. Die Pflegemutter war ebenfalls ganz außer ſich über den vornehmen Beſuch, ſie weinte, als ſie die Gräfin

weinen ſah, dann lachte ſie wieder über das Glück, welches