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vier Augen bitten. Zur feſtgeſetzten Stunde begab er ſich in ihre Wohnung, das ſorgfältig verhüllte Bild mit ſich führend. Sie kam ihm unbefangen wie immer entgegen und reichte ihm wie einem Freunde die kleine, weiße Hand.
„Was bringen Sie mir?“ fragte ſie, auf das verhüllte Portrait deutend.
„Ein Bild,“ antwortete er im ruhigen Tone, wäh⸗ rend es in ſeinem Innern ſtürmte.„Sie ſollen mir ihr Urtheil ſagen, ob ſie es getroffen finden.“
„Kenne ich das Original?“
„So genau, wie Sie ſich ſelber kennen.“
Mit dieſen Worten ließ er plötzlich die Hülle fallen, indem er ſie dabei ſo ſcharf in's Auge faßte, daß ihm keine ihrer Bewegungen entgehen konnte. So bald die Decke geſunken war und ihr Blick auf das Portrait fiel, ſtand ſie da, vom Starrkrampf gefaßt, einer Bildſäule ähnlich, bis ein reicher Thränenſtrom ihr gepreßtes Herz erleichterte. Er zweifelte nicht mehr an ihrer Schuld; ſie hatte ſich in ſeinen Augen hinlänglich verrathen. Ein jäher Schmerz durchzuckte ihn, als hätte er das Höchſte auf dieſer Welt verloren.
„Meine Schweſter, meine arme, unglückliche Ottilie,“ ſchluchzte ſie laut auffammernd und das Bild mit ihren Küſſen bedeckend.


