Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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hat ſich das Portrait auf unſerem Boden herumgetrieben, wo es vielleicht noch iſt.

Sie werden mich ſehr verbinden, entgegnete Herr von Lahr,wenn Sie mir das Bild herbeiſchaffen können. Rechnen Sie auf meine Dankbarkeit.

Ich will ſogleich nachſehen, und wenn ich es finde, es ſogleich Eurer Excellenz zuſtellen.

In der That kam am folgenden Tage die Frau mit einem alten, kaum mehr kenntlichen Oelgemälde, das ſie ihm übergab. Nachdem daſſelbe gereinigt war, ſo daß die dargeſtellte Figur deutlich zum Vorſchein kam, ließ der Miniſter einen Ausruf der bangen Ueberraſchung hören. Aus dem alten, wurmſtichigen Rahmen trat ihm Zug für Zug das Bild der Gräfin Bratinski entgegen. Es war daſſelbe liebliche, aber leidende Angeſicht, der geiſtreiche Mund, die tiefen, ſchwärmeriſchen Augen, daſſelbe Haar, nur etwas heller, ſo wie die ganze Geſtalt natürlich weit jugendlicher erſchien. Herr von Lahr erſchrack vor dieſer ſprechenden Aehnlichkeit, welche er gern hinweggeleugnet hätte; ſie galt ihm als der unwiderlegliche Beweis, daß die ſchuldige Gräſin Wilhelm's Mutter war. Mit zerriſ⸗ ſenem Herzen wandte er ſich von dem Bilde ab, um es immer wieder von Neuem anzuſtarren und in Gedanken mit dem Originale zu vergleichen. Endlich war ſein Ent⸗ ſchluß gefaßt; er ließ die Gräfin um eine Unterredung unter