203
ſtand indeß feſt, daß der bisherige Miniſter von ſeinem Poſten entlaſſen und der Präſident von Lahr zu dieſer hohen Stellung berufen wurde. Man kann ſich denken, welch ein Donnerſchlag dieſe Ernennung für ſeine Gegner wie für die ganze ihm feindliche Partei war, welche ſeinen Sturz für gewiß hielt. Am meiſten wurde die Baronin davon ergriffen; die ehrgeizige und intriguante Dame, welche alle ihre Wünſche und Hoffnungen, ſo wie die Er⸗ füllung ihrer Rache vereitelt ſah, nahm ſich dieſe unerwar⸗ tete Wendung ſo ſehr zu Herzen, daß ſie ernſtlich krank wurde. Die fortwährende Aufregung, ihre unglücklichen, häuslichen Verhältniſſe, der gekränkte Stolz, der jähe Sturz wirkten zerrüttend auf ihre Geſundheit, ſie verfiel in eine Geiſteskrankheit, welche ihre Abführung in ein Irrenhaus endlich dringend nöthig machte. Der Wahn⸗ ſinn, von dem ſie beherrſcht wurde, äußerte ſich als fürch⸗ terlicher Hochmuth; ſie bildete ſich nämlich ein, die mäch⸗ tigſte Königin der Welt zu ſein, vor der die ganze Welt im Staube liegen müſſe. Mit einer phantaſtiſchen Papier⸗ krone auf den verwirrten Locken und lächerlich aufge⸗ putzt, ſaß ſie in der einſamen Zelle und ließ ſich von den Narren der Anſtalt huldigen. Der Arzt gab nur wenig Hoffnung, daß ihre Leiden geheilt würden. Tief erſchüt⸗ tert wurde Herr von Lahr, als er den Zuſtand der Un⸗ glücklichen erfuhr und obgleich er wußte, wie ſehr er von


