Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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auf telegraphiſchem Wege bis in's Vorderhaus und ſelbſt zu den Ohren des Herrn Roſenberg drang. Und der Hauswirth ſtieg ſelber die drei Treppen hinauf und ließ ſich Alles ganz genau erzählen. Natürlich war er die Güte und Freundlichkeit ſelber jetzt gegen die gute Frau und vom Herauswerfen war jetzt keine Rede mehr, ſeitdem er wußte, welch eine hohe Protektion ſeine Mietherin ge⸗ noß. Für Wilhelm begann eine ſchöne Zeit; er wurde der Held des Tages, gehätſchelt und auf Händen getragen von aller Welt. Die Einſperrung des Waiſenvaters hatte ſich wie ein Flugfeuer durch die ganze Reſidenz verbreitet und auch das Hinterhaus Kunde davon erhalten. Wie gewöhnlich wurde Vieles hinzugeſetzt, übertrieben und man las haarſträubende Geſchichten von den ausgeſtandenen Leiden der Kinder, den ſchweren Ketten, dem dunklen Kel⸗ ler und den Folterwerkzeugen in allen Zeitungen, für die das Ereigniß ein gefundenes Freſſen war. Vierzehn Tage ſprach man von nichts Anderem in der Reſidenz und die Blätter überboten ſich in Schilderungen der Myſterien dieſer Muſteranſtalt. Zugleich erſchienen allerlei Andeu⸗ tungen eines großen Staatsverbrechens, in das Herr Mehlkatz mit verwickelt ſein ſollte. Aus Schonung für ſeine hochgeſtellten Mitſchuldigen wurde dieſe Angelegen⸗ heit mit einer gewiſſen Heimlichkeit verhandelt, welche die Neugierde des Publikums nur noch mehr reizte. So viel