Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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weilen kann der Junge noch bei Ihnen bleiben, bis ich mich entſchieden habe, was mit ihm geſchehen ſoll. Natür⸗ lich übernehme ich von heute ab die Koſten ſeines Un⸗ terhaltes.

Mit dieſen Worten legte der freundliche Herr ſo viel Thalerſtücke auf den Tiſch, wie die gute Frau in ihrem ganzen Leben noch nicht auf ein Mal zuſammen geſehen hatte. Sie blieb ganz ſtumm und ſtarr vor freudiger Ueberraſchung, ſo daß ſie kein Wörtchen vorzubringen im Stande war.

Wenn es zu wenig iſt, ſo brauchen Sie es nur zu ſagen, fügte er hinzu.

Herr du meine Güte, ſchrie ſie, die Hände über dem Kopfe zuſammenſchlagend.Das iſt viel zu viel, damit reiche ich ja ein ganzes Jahr.

Was übrig bleibt, können Sie für ſich behalten.

Es fehlte nicht viel und die alte Frau wäre vor ihrem Wohlthäter auf die Kniee geſunken. Er hatte nur zu wehren, daß ſie ihm nicht die Hände und die Füße küßte. Um ihrem Danke auszuweichen, entfernte er ſich ſchnell und ſtieg in ſeine Equipage, welche vor der Hausthür war⸗ tete. In einer Viertelſtunde waren bereits alle Bewoh⸗ ner des Hinterhauſes von der großen Ehre unterrichtet, welche der Mutter Schneidern widerfahren war. Das gab ein Gerede und machte ein ungeheures Aufſehn, der ganze Hof war voll von der wichtigen Neuigkeit, welche