Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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vater.„Hat man je gehört, ſo einem Ehrenmanne zu be⸗ gegnen.“

„Zwingen Sie mich nicht,“ ſagte der Beamte, ohne ſich von den Einreden beirren zu laſſen,„erſt Gewalt an⸗ zuwenden.“

„Von mir bekommen Sie die Schlüſſel nicht.“

„Dann werde ich einen Schloſſer kommen laſſen. Erſchweren Sie nicht durch unnützen Widerſtand Ihre ohnehin ſehr ſchlimme Sache.“

Dieſe mit Ernſt und Entſchiedenheit vorgebrachte Rede verfehlte ihre Wirkung nicht. Zitternd reichte Herr Mehlkatz die Schlüſſel zu ſeinem Bureau, welches der Be⸗ amte ſorgfältig durchſuchte, ohne irgend etwas Verdächtiges zu finden. Schon athmete der Schuldbeladene Verbrecher wieder auf; er konnte ein ſpöttiſches Lächeln dabei nicht unterdrücken, als er das ihm günſtige Reſultat gewahrte. Der Beamte war jedoch in ſeinem Berufe zu gewandt, um nicht bei einem ſo ſchlauen Kunden auf der Hut zu ſein.

Mit der größten Aufmerkſamkeit durchforſchte er nochmals den Schreibſekretair, bis ſein ſcharfes und hinlänglich ge⸗ übtes Auge ein geheimes Schubfach entdeckte. Ein Druck mit dem Finger an der verborgenen Feder und ein Kaſten kam zum Vorſchein, worin ſich die Abſchriften der ent⸗ wendeten Depeſchen und noch manche andere, ſchwer gra⸗ virende Schriftſtücke wohlverwahrt vorfanden. Leichen⸗