19⁵
Munde ſtecken, als dieſer ihn aufforderte, ihm in das Ge⸗ fängniß ſogleich ohne Umſtände zu folgen. In ſeinen ver⸗ zerrten Zügen ſprach ſich deutlich ſein Schuldbewußtſein aus, ehe er noch den Grund ſeiner Anklage erfuhr. Sein ganzes Leben war ja, wie ſich ſpäter herausſtellte, nur eine Kette von Vergehen aller Art. Dennoch ſuchte er ſich ſchnell wieder zu faſſen; er nahm die Miene der gekränk⸗ ten Unſchuld an.
„Das kann nur ein Irrthum ſein,“ ſagte er mit er⸗ heuchelter Ruhe, welche von ſeinen unſtätten Blicken und zuckenden Bewegungen Lügen geſtraft wurde.„Sie ſchei⸗ nen nicht zu wiſſen, wer ich bin. So behandelt man nicht einen Mann, der ſich der allgemeinen Achtung erfreut, den Seine Excellenz der Miniſter ſelbſt mit ſeinem Vertrauen beehrt. Ich werde mich bei ihm beſchweren und Sie kön⸗ nen ſich darauf verlaſſen, daß er mir volle Satisfaction verſchaffen wird.“
„Das kümmert mich nicht, ich handle hier nur im Auftrage der mir vorgeſetzten Behörde. Zuvor aber wer⸗ den Sie mir Ihre ſämmtlichen Papiere übergeben. Ich habe die Ordre, Alles zu verſiegeln und die ſtrengſte Haus⸗ ſuchung zu halten. Sie werden mir daher die nöthigen Schlüſſel einhändigen.“
„Das werde ich nicht thun,“ geiferte der Waiſen⸗
13*


