Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

194

Exekutionen vorzunehmen. Deshalb bezwang er noch ſeine Wuth und begnügte ſich, eine vorbeifahrende Droſchke an⸗ zuhalten, worin er mit ſeinem zitternden Opfer nach der Muſteranſtalt fuhr. Dort wandte er mit Beguemlichkeit alle ihm zu Gebote ſtehenden Mittel an, um von Gottfried ein Geſtändniß zu erpreſſen, er verfuhr dabei nach allen Regeln der Tortur, zuerſt verſuchte er ſeine Ueberredungs⸗ kraft und als dieſe nichts half, ließ er ſeiner Rache freien Lauf. Mit einem Lederriemen bearbeitete er den Rücken des Armen ſo lange, bis er ſeine Hand nicht rühren konnte und das Blut aus den Striemen hervorfloß; erſt dann hörte er auf, aber ſein Zorn war noch keineswegs abge⸗ kühlt. Das wimmernde, halb lebloſe Kind trug er hinab in denſelben Keller, wo vor einigen Wochen Wilhelm ge⸗ ſchmachtet hatte. Hier ſperrte er ihn in den Block und befeſtigte ihn zum Ueberfluſſe mit einer roſtigen Kette an der Wand. Mit einem dämoniſchen Hohngelächter ſchloß er die eiſerne Thür, dann ſetzte er ſich, um ſich von ſeinen Anſtrengungen zu erholen, gemüthlich zu einem zweiten Frühſtück nieder, als wenn nichts geſchehen wäre. Er ſaß noch bei Tiſche, wo er es ſich trefflich ſchmecken ließ, als er durch einen plötzlichen Beſuch überraſcht wurde. Der Be⸗ amte der Kriminalpolizei ſtand vor ihm mit einem Ver⸗ haftsbefehl. Die rothe Naſe des Waiſenvaters wurde weiß wie Wachs und der Biſſen blieb ihm vor Schreck im