Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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Flüchtlingen unverrichteter Sache zurückkehrte. Er war bei Frau Schneider geweſen, wo er nicht mit Unrecht zu⸗ erſt die Ausreißer vermuthet und geſucht hatte. Kaum erblickte er den Knaben, als er ſogleich auf ihn losſtürzte und am Kragen packte.

„Hab' ich Dich,“ rief er mit grimmiger Schaden⸗ freude.„Aha! mein Söhnchen, haſt mich nicht ſo nahe geglaubt. Aber jetzt ſag' mir auch, wo Dein Buſenfreund, der Wilhelm, ſteckt. Heraus mit der Sprache und nicht gelogen, ſonſt ſollſt Du die Bekanntſchaft mit meinem Stocke machen.“

„Ich weiß es nicht,“ ſtammelte Gottfried ganz nie⸗ dergedonnert von dieſer unverhofften Begegnung.

„Warte, ich werde Dich ſchon zum Reden zwingen. Wenn Du geſtehſt, will ich Dir die Strafe ſchenken, wo nicht, ſollſt Du mich kennen lernen.“

Dabei ſchwang er drohend ſeinen dicken Weißdorn und machte ein fürchterliches Geſicht, aber der Knabe blieb feſt und ließ ſich nicht einſchüchtern; lieber hätte er ſich die Zunge abgebiſſen, ehe er zum Verräther an ſeinem Freunde geworden wäre. Mit den Drohungen war es Herrn Mehlkatz jedoch vorläufig nicht Ernſt, denn er befand ſich auf der Straße, wo er ihn nicht züchtigen konnte, ohne Aufſehen zu erregen. Von ſolchen öffentlichem Skandale war er kein Freund, er zog es vor, in der Stille derartige

1858. XV. Neue Stadtgeſchichten. II. 13