Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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ſchauderhaft aber wunderſchön. Dann überkam wohl die Knaben mitten im Genuß und beim Anſtaunen all dieſer Herrlichkeiten eine unnennbare Angſt, als fühlten ſie bereits die plumpen Fäuſte des Herrn Mehlkatz ſchon im Nacken; plötzlich fingen ſie an zu laufen und ſprangen in das nächſte, beſte Haus, um ſich zu verbergen. So waren ſie auch in die Nähe des Präſidialgebäudes gekommen, deſſen Höhe und ſtattliche Architektur ihnen imponirte. Während ſie dieſelbe anſtaunten, glaubte Gottfried in einem Anfalle jener Furcht die dunkle Geſtalt des Waiſenvaters um die Ecke biegen zu ſehen. Er hatte nur noch Zeit, dem Freunde warnend zuzurufen. Dieſer eilte durch die offen ſtehende Thür in dem feſten Glauben, daß ſein Begleiter ihm fol⸗ gen würde. Als ſich aber Wilhelm umſah, fand er ſich allein in dem mächtigen Gebäude, wo ihn die Menge der Treppen, Gänge und Thüren in die größte Verlegenheit ſetzten. Ein bärbeißiger Portier fragte ihn noch zum Ueber⸗ fluſſe, was er hier wolle. Zum Glück fiel ihm der gefun⸗ dene Brief ein und er verlangte dreiſt nach dem Bedienten des Präſidenten. Der Hausmeiſter wies ihn eine Treppe hoch und ſo gelangte er an die Thür, wo der Zufall ihn dem Herrn von Lahr begegnen ließ. Unterdeß war Gott⸗ fried dem Verderben gradezu in den Rachen gerannt. Seine Ahnung hatte ihn nicht getäuſcht; es war wirklich der Waiſenvater, der von ſeinen Nachforſchungen nach den