Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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beſter Stimmung aufgewacht, aber das Geſicht der Alten ſchien ihm nichts Gutes zu verkünden; ſie ſah ſo eigen und gedrückt aus. Der ſchlaue Burſche hatte früher aus

ihren Mienen ein förmliches Studium gemacht und wußte

gleich, wenn er nur ihre Naſenſpitze ſah, woher der Wind wehte. Es kam ihm nicht recht geheuer vor; ent⸗ weder war ſchon eine heimliche Botſchaft vom Waiſen⸗ vater angelangt, oder Frau Schneider erwartete eine ſolche und fürchtete ſich vor den daraus entſtehenden Ver⸗ wicklungen. So viel war ihm klar, daß die gute, aber ſchwache Frau wenn auch den Willen, doch nicht den Muth haben würde, ſeine Auslieferung abzuſchlagen. Ihr gan⸗ zes Benehmen kam ihm verdächtig vor und mit Recht zweifelte er daran, an ihr eine wirkliche Stütze im ent⸗ ſcheidenden Augenblick zu finden. Deshalb hielt er es für gerathen, ſich vorläufig wieder zu entfernen, um der drohenden Gefahr wenigſtens für den Augenblick auszu⸗ weichen. An die Zukunft dachte er weiter nicht, wenn er nur der momentanen Verlegenheit entging. Das iſt die Art der glücklichen Jugend, welche nur die Gegenwart im Auge hat und um den morgigen Tag ſich weiter keinen Kummer macht. Sobald Frau Schneider nun wegſah, gab Wilhelm ſeinem Freunde einen Wink, den dieſer ſogleich verſtand. Beide ſchlichen leiſe über den Hof auf die Straße hinaus, wo ſie ſich bei Weitem ſicherer