Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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haſt mir einen größeren Dienſt erwieſen, als Du ahnen kannſt. Deine Zukunft ſoll von nun an meine Sorge ſein. Nur das Verſprechen fordere ich von Dir, daß Du keinem Menſchen von dem hier Vorgefallenen etwas ſagſt. Ich weiß, daß Du Dein gegebenes Wort halten wirſt. Wir ſehen uns vielleicht noch heute, ſpäteſtens morgen, wo ich die Frau Schneider ſelber aufſuchen will.“

„Im Hinterhauſe drei Treppen hoch beim Rentier Roſenberg,“ bemerkte der Knabe aus Vorſicht.

„Ich werde es ſchon behalten,“ lächelte der Präſi⸗ dent.„Auf Wiederſehn, mein kleiner Freund!“—

Als Wilhelm hinaus auf die Straße trat, ſchwankte er wie ein Trunkener, Alles drehte ſich mit ihm im Kreiſe; er wußte gar nicht wie ihm geſchehen war und wo ihm der Kopf ſtand. Der Präſident, ein ſo großer und mäch⸗ tiger Herr, der mehr noch zu befehlen hatte als ein Wai⸗ ſenvater, hatte ihn ſeinen Freund genannt und verſprochen, für ſeine Zukunft zu ſorgen; er wollte Mutter Schneider ſogar aufſuchen im Hinterhauſe drei Treppen hoch. Das hatte ſich Wilhelm nicht träumen laſſen, als er am Mor⸗ gen fortgegangen war, mehr aus Angſt vor den Verfol⸗ gungen des Herrn Mehlkatz und von einer natürlichen Unruhe getrieben, als aus übertriebener Dienſtfertigkeit und um den gefundenen Brief abzugeben. Er hatte die Nacht neben Gottfried vortrefflich geſchlafen und war in