Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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ihn mit ſeinen Blicken durchbohrend.„Du ſchreibſt ja auch eine gute Hand. Ich will Dir einen Brief diktiren.“

„Ihre Gnaden belieben nur zu ſcherzen. Wie käme ich zu einer ſolchen Ehre.“

„Du ſiehſt, daß ich auf Deine Beförderung denke. Setz' Dich nur ohne Umſtände und ſchreib', was ich Dir ſage.“.

„Ich gehorche!“ ſagte der Bediente, der ſich die ſeltſame Laune ſeines Herrn gar nicht zu erklären ver⸗ mochte.

„Wenn Du fertig biſt,“ befahl der Präſident,„ſo ſchreib': Verehrter Herr und Freund! Ich danke Ihnen für das empfangene Geld, für den Sündenlohn, wofür ich meinen nur zu nachſichtigen Herrn verrathen habe.“

Jetzt fing es dem ehrlichen Friedrich an unheimlich zu werden; er rückte auf dem Stuhle unruhig hin und her, ſeine Augen bald nach ſeinem Herrn, bald nach der Thür richtend, als wollte er ſich für alle Fälle den Rück⸗ zug ſichern. Seine Hände fingen ihm zu zittern an und auf ſeiner niederen Stirn brachen die hellen Schweiß⸗ tropfen hervor.

„Du ſchreibſt ja nicht, Friedrich,“ rief der Präſident dem armen Sünder zu.„Nur weiter, wenn ich bitten darf. Vorwärts, wie folgt: Den Nachſchlüſſel habe ich richtig durch Ihren Boten bekommen und damit auch das