Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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ſidenten ſogleich das größte Zutrauen einflößte. Er mußte ſich niederſetzen und ausführlich Alles berichten, was er geſtern im Birkenwäldchen geſehn und gehört hatte. Mit großer Naivetät erzählte er auch das Geſpräch, welches zwiſchen dem Waiſenvater und dem Bedienten ſtatt ge⸗ funden hatte. Der Präſident zeigte die größte Theilnahme und freute ſich an dem offenen Sinn und dem geſunden Urtheil des treuherzigen Knaben.

„Ich dachte mir gleich,“ fügte dieſer hinzu,„daß eine Schelmerei dahinter ſtecken muß, denn die Beiden hatten große Furcht vor dem Zuchthauſe.“

„Dem ſollen ſie auch nicht entgehn,“ ſagte der Prä⸗ ſident.„Du haſt wohl gethan, mir den Brief zu über⸗ geben. Wie biſt Du aber dazu gekommen, mich vor der Thüre zu erwarten.“.

„Ich habe mich ſo ſehr gefürchtet, weil ein Präſi⸗ dent ein ſo großer Mann ſein ſoll, weit mehr wie ein Waiſenvater. Deshalb getraute ich mir gar nicht anzu⸗ klopfen. Ich wollte lieber warten, bis Jemand kommen würde!“

„„ Der Zufall oder vielmehr die Vorſehung hat es gut gefügt und Du ſollſt dafür noch beſonders belohnt werden. Mein Diener hat Dich alſo nicht geſehen?“

„Nein, ich hätte ihm ja ſonſt den Brief gegeben,“

meinte Wilhelm in ſeiner naiven Unſchuld..