Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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eines Blattes, oder wenn ein Vogel vor ihnen aufflog. In jedem Vorübergehenden glaubten ſie einen Verfolger, oder gar den Waiſenvater ſelber zu erblicken; bei jedem Schritte drehten ſie ſich um und ſchauten zurück, ob ihnen auch Niemand nachkomme. Erſt als ſie ohne Abenteuer eine größere Strecke zurückgelegt hatten, wurden ſie dreiſter und auch ruhiger. Es war bereits ganz dunkel, als ſie die Stadt und die Wohnung der Mutter Schneider erreichten. Wie ſchlug Wilhelm das Herz, da er ſo nach langer Zeit wieder den alten Hof betrat. Es war ganz ſtill, die mei⸗ ſten Bewohner hatten ſich ſchon zurückgezogen und ſaßen in ihren Stuben. An dem erleuchteten Fenſter glaubte er den Kopf des treuen Flickſchuſters zu erblicken; er zeigte den dunkeln Schatten ſeinem Freunde mit einem eigenen Gefühl von Furcht und Freude. Aus dem nahen Stalle tönte das Wiehern der Pferde, welchen der Kutſcher ihr Futter vorſtreute. Wilhelm wäre am liebſten gleich hin⸗ gegangen, um den alten Bekannten zu begrüßen. Seine Beine zitterten ordentlich, als er die Schwelle überſchritt und gefolgt von Gottfried die gebrechliche Treppe herauf⸗ ſtieg. Vor der Thür blieb er ſtehen, um zu lauſchen, ob auch ſeine Pflegemutter zu Hauſe ſei. Durch die Ritze und das Schlüſſelloch drang der ſchwache Lichtſtrahl ihrer kleinen Lampe. Er glaubte ſie zu hören, wie ſie mit Tel⸗ lern und Schüſſeln handthierte; gewiß war ſie beim Abend⸗