Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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Sinn für das anmuthige, kindliche Geplauder der Kleinen, ſie wiegte ſich bereits im Bewußtſein ihrer künftig hohen Stellung, nur mit ihren ehrgeizigen Plänen und mit dem Triumph über die ihr verhaßten Gegner augenblicklich be⸗ ſchäftigt, ſo daß auch Lieschen, da ſie von der Baronin keine Anwort erhielt, bald wieder verſtummte und mit ihren Gedanken nur noch bei Wilhelm war, dem ſie von ganzer Seele das Gelingen ſeiner Flucht wünſchte. Welch ein wunderbarer Contraſt ſaß hier ſo nahe neben einander auf einem Sitz, ein altes Herz voll Haß und Ehrgeiz, ein junges Herz voll Güte und Liebe, die Frucht vom Wurmie angenagt, von der faulen Verderbniß ergriffen und die unſchuldsvolle, friſche Knospe, erfüllt von ſüßem Duft, geſchwellt von jeder ſchönen Hoffnung und geſegnet vom Himmel mit goldenem Sonnenſchein und erquickendem Thau.— Sobald Wilhelm von Lieschen Abſchied genom⸗ men, war er, ohne in dem Gedränge der Aufbrechenden und bei der vorhandenen Dunkelheit bemerkt zu werden, wie er es mit Gottfried verabredet hatte, zu der bezeich⸗ neten Stelle geeilt, wo er den treuen Freund bereits vor⸗ fand. Sie warteten noch mit klopfendem Herzen einige Minuten, ehe ſie ſich entfernten. Im entſcheidenden Au⸗ genblick fühlten ſie doch eine natürliche Beklemmung; es war ihnen, als müßte man ſie ſogleich vermiſſen und ſie verfolgen. Anfänglich ſchreckten ſie auch bei dem Rauſchen