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heute oder ſpäteſtens morgen zu ſehen hoffte. Deshalb nahm ſie auch nur einen kurzen, wenn auch nicht minder herzlichen Abſchied von ihm. Leicht und ſchnell wie ein flüchtiges Reh hüpfte ſie davon und zu ihrer Mutter zurück.
„Wo haſt Du denn geſteckt?“ fragte die Baronin. „Und wie ſiehſt Du aus, kleine Herumtreiberin!“
„Ich habe nur im Wäldchen Blumen geſucht,“ log die Kleine, wobei ſie jedoch über und über roth wurde, „aber ich fand nichts Geſcheutes dort.“
Die Baronin war zu ſehr mit ihren eigenen Gedan⸗ ken beſchäftigt, um die Wahrheit dieſer Ausſage zu unter⸗ ſuchen; ſie hatte ſo eben eine intereſſante Unterredung mit dem Miniſter gehabt, welche noch in ihrer Seele nach⸗ klang.
Es waren ihr Ausſichten eröffnet worden, durch die ſie nicht nur ihren Ehrgeiz, ſondern auch ihre Rache gegen den Präſidenten und die Gräfin Bratinski zu befriedigen hoffte. Der Miniſter ſprach von dem nahe bevorſtehenden Sturze des Erſteren, ſo wie von der Verbannung der Letz⸗ teren aus der Nähe des Herrſcherpaares wie von einer aus⸗ gemachten Sache.
„Dann haben wir freies Feld,“ flüſterte er leiſe, um nicht gehört zu werden.„Ich biete meiner ſchönen Freun⸗ din ein Schutz⸗ und Trutzbündniß für die Zukunft an.“


