Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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nicht einſehn wollte, daß zum Wohlthun nicht nur guter Wille und Geld, ſondern vor Allem Gemüth, Einſicht und Verſtand gehört. So ſtand ſie auch jetzt wieder ein Mal im Begriffe, nach ihrer Weiſe dem armen Wilhelm wohl zu thun, wobei allerdings noch der Wunſch hinzukam, den ungerathenen Jungen aus dem Hauſe zu bringen, da ſie mit Entſetzen die täglich zwiſchen ihm und ihrer Tochter mehr und mehr heranwachſende Intimität endlich bemerkt und nicht länger zu dulden beſchloſſen hatte. Aus dieſem Grunde war ſie ſchon am frühen Morgen zu dem würdigen Waiſenvater Mehlkatz hinausgefahren, um mit dieſem die nöthige Rückſprache zu nehmen und Wilhelm's Aufnahme in deſſen Anſtalt zu vermitteln. Daß es ihr gelingen würde, daran zweifelte ſie auch nicht einen Augenblick, denn Herr Mehlkatz verdankte ihr und ihrer Protektion bereits ſo viel, daß er ihr einen ſo kleinen Gefallen unmöglich ab⸗ ſchlagen konnte. Mit gekrümmtem Rücken und in demüthig⸗ ſter Stellung empfing er ſeine hohe Gönnerin, deren Wünſche für ihn Befehle waren.

„Welch ein Glück, welch eine Ehre!“ rief er in ſal⸗ bungsvollem Tone der Baroneſſe entgegen.„Sie ſelbſt beehren mich mit Ihrer Gegenwart in höchſt eigener

Perſon.“

„Ich komme wegen einer Gefälligkeit, die ich von