Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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Frau, welche mit Freuden jedes Verdienſt anzuerkennen und zu ehren ſuchte. So gelangte die Baronin häufig an den Hof und wurde zu den intimeren Zirkeln zugelaſ⸗ ſen, lediglich in Folge ihrer Wohlthätigkeit. Aber nicht nur nach Oben, ſondern auch nach Unten fand ſie in ihrer Handlungsweiſe den wohlverdienten Lohn und vollkommene Befriedigung, indem ſie dadurch auf verſchiedene Perſonen einen gewiſſen Einfluß ausübte. In den meiſten Fällen hing es von ihrer Entſcheidung ab, ob der oder jener Dürf⸗ tige eine Unterſtützung erhalten ſollte. Natürlich mußte man ſich bei ihr darum bewerben, ihr die Aufwartung machen, ſich um ihre Gunſt und ihre Empfehlung bewerben. Die auch dem beſten Menſchen anklebende Eitelkeit fühlte ſich geſchmeichelt und die Rolle der Beſchützerin ſagte ihrem angeborenen Stolze im höchſten Grade zu. Aber dafür mußte ſie auch ſo manches Opfer bringen; ſie hatte den ganzen Tag alle Hände voll zu thun, bald einer Sitzung beizuwohnen, bald Subſcribenten für irgend einen milden Zweck zu ſammeln, und von Haus zu Haus, wenn auch nur für Andere, betteln zu gehen; heute gab es eine Aus⸗ ſtellung und morgen mußte ſie Holz austheilen, Wäſche nachſehen, oder ſich perſönlich von der Lage ihrer Schütz⸗ linge überzeugen. Ihr Eifer in dieſer Beziehung ging ſo weit, daß ſie zuletzt gar keine Zeit mehr übrig hatte, für ihr eigenes Hausweſen, die Erziehung ihrer Kinder und