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Gouvernante geſchrieben, das Schickſal einer Gouvernante verherrlichte, dicht neben Lieschen aufgepflanzt, ſo würden die Kinder noch ſo da geſeſſen haben bis zum ſpäten Abend und in die ſinkende Nacht hinein. So mußten ſie freilich von einander Abſchied nehmen mit der Hoffnung eines bal⸗ digen Wiederſehns. Endlich kam auch Frau Schneider von ihren verſchiedenen Gängen heim, um das eben nicht allzu üppige Mittagbrod zu bereiten und aufzutiſchen. Wie gewöhnlich ſprach Wilhelm das tägliche Tiſchgebet, aber weiter wurde nicht viel geſprochen, da ſie noch immer nicht wußte, was mit dem Jungen geſchehen ſollte. Gleich nach Tiſche aber entfernte ſie ſich wieder, um, wie der Hauswirth ihr angerathen oder vielmehr anbefohlen, der gnädigen Baroneſſe von Freiſtadt aufzuwarten und das Ergebniß der von dieſer gethanen Schritte zu erfahren. Lieschen's Mutter war eine große, ſtattliche Dame, welche ungemein vornehm ausſah und mit einem gewiſſen Stolze auf die übrige Menſchheit herabſchaute. Das hinderte ſie indeß nicht, wenigſtens vor Gott ſehr demüthig zu thun und eine fleißige Kirchgängerin zu ſein. Jeden Sonntag fuhr ſie in ihrer eleganten Equipage mit Kutſcher und ga⸗ lonirtem Bedienten auf dem Bocke in den Dom, wo ſie höchſt andächtig in ihrem beſonderen Stuhle der Predigt bis zum Schluſſe beiwohnte. Außerdem ſtand ſie im Ge⸗ ruche der größten Wohlthätigkeit; ſie war Mitglied aller


