Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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„Na ob!“ antwortete er mit lüſternen Blicken und von dem bloßen Gedanken freudig aufgeregt.

„Aber, wie fangen wir es an? Ich kann nicht bis zu Dir hinüber reichen.“

„Warte nur einen Augenblick; ich komme gleich wieder.“

Nach einer Minute kehrte er mit einem Bindfaden zurück, den er in der Stube geſucht und auch glücklich ge⸗ funden hatte. An das eine Ende befeſtigte er einen alten Schlüſſel, um die Schnur zu beſchweren; dann ſchleuderte er mit bewunderungswürdiger Geſchicklichkeit dieſelbe nach dem gegenüber liegenden, tieferen Fenſter, wo ſie Lieschen eben ſo gewandt haſchte. Daran befeſtigte ſie nun den in ein Papier geſchlagenen Kuchen, der auf dieſem Wege glück⸗ lich an ſeinen Beſtimmungsort gelangte und mit dem beſten Dank in Empfang genommen wurde. Beide ſaßen nun am Fenſter und verzehrten jedes ſeine Hälfte mit Empfin⸗ dungen, die ſich nicht ſchildern laſſen. Sie waren, trotz ihrer Gefangenſchaft, ſo glücklich über die gelungene Liſt,

daß ſie, fortwährend ſchmauſend, mit fröhlichen, ſeligen Blicken einander anſahen und von ganzem Herzen anlach⸗ 3 ten. Ach wie wenig gehört dazu, mit zehn und dreizehn Jahren die höchſte Wonne zu genießen!— Wäre die Gou⸗

vernante nicht zurück gekommen und hätte ſie ſich nicht mit dem zweiten Bande ihres engliſchen Romans, der von einer