Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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„Lieschen!“ rief ihr Wilhelm, hoch erfrent über ihren Anblick, zu.„Was machſt Du denn?“

„Ich ſitze feſt und darf mich nicht vom Flecke rühren.“

„Und mich hat die Mutter auch eingeſperrt, aber wenn ſie nicht bald kommt, klettere ich zum Fenſter hinaus und über das Dach weg.“

„Du wirſt doch nicht toll ſein. Man kann ja den Hals dabei brechen.“

„Ich halt es aber nicht länger aus und wenn ich mich zu Tode fallen ſollte.“

„Und ich verbiete Dir, zum Fenſter hinaus zu ſteigen. Wenn Du es thuſt, ſo bin ich ewig böſe.“

„So werd' ich warten; aber weißt Du ſchon, daß ich aus dem Hauſe ſoll?“

„Ich weiß Alles. Mama hat auch geſagt, daß Du ein ungezogener Junge biſt und nicht bleiben darfſt, aber es wird nicht ſo ſchlimm ſein.“

„Diesmal glaub' ich's doch. Mutter Schneidern hat ein Geſicht gemacht, ſo ſauer wie die Eſſigflaſche und dann weiß ich, läßt ſie nicht mit ſich ſpaßen.“

„Aber ich geb' es nicht zu,“ ſagte das Mädchen trotzig. „Wenn ſie Dich fortbringen wollen, werde ich ſo lange ſchreien und weinen, bis ſie Dich wieder los laſſen. Das hält Mama nicht aus.“

„Es wird doch nichts nützen. Der Herr Roſenberg, 3*