Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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da ſtehe. Bis jetzt hatte er darüber nur wenig nachgedacht und ſeine Eltern nicht vermißt, aber mit einem Male er⸗ wachte die Sehnſucht nach denſelben mit nie geahnter Kraft. Ein dunkles Gefühl ſchien ihm zu ſagen, daß ſie noch lebten und daß er ſie früher oder ſpäter finden müßte. Aber wie ſollte er das anfangen, da er weder ihren Namen, noch ir⸗ gend etwas Näheres von ihnen wußte? Wen ſollte er da⸗ rum fragen, da ſeine Pflegemutter ſelbſt ihm keinen Auf⸗ ſchluß geben konnte? Der Gedanke kam ihm wohl auch, wie ſo manchen Kindern, in die weite Welt zu gehen und ſie zu ſuchen, aber er war klug genug, um bereits zu wiſſen, daß er ohne Geld und Ausweis nicht weit kommen würde. Es blieb ihm nichts übrig, als ruhig ſein Geſchick zu er⸗ warten und daſſelbe hinzunehmen. Bald ſiegte auch der jugendliche Leichtſinn und die Hoffnung, welche in dem Kinderherzen noch durch keine argen Täuſchungen betrogen wurde, wiegte ihn zu einem ruhigen Schlummer ein.— Die Sonne ſchien bereits ſo hell ſie konnte durch die blin⸗ den Fenſterſcheiben, als Wilhelm ſeine Augen aufſchlug; ſie fielen auf die unterſetzte Geſtalt ſeiner Pflegemutter, welche mit der Bereitung des ärmlichen Frühſtücks beſchäf⸗ tigt war. Der Duft des dünnen Morgenkaffees ſtieg ihm ſo lieblich in die Naſe, daß er darüber alle ſeine Sorgen vergaß. Die Jugend hat meiſt ein kurzes Gedächtniß und

lebt zu ihrem Glücke nur für den Augenblick. Mit einem