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Gelegenheit zu benutzen und ſich ihrer Bürde zu entledigen, auf der andern Seite aber ſprach ihr mildes Herz für ihn und die Zärtlichkeit, welche ſie, trotz aller loſen Streiche, für Wilhelm hegte. So ſchwankte ſie noch immer und viel⸗ leicht hätte ſie ſelbſt dem Zorne des Herrn Roſenberg ge⸗ trotzt, wenn nicht auch andere Beweggründe auf ſie ein⸗ gewirkt hätten. Da es ſchon ſpät war, ſo ſuchte ſie den noch immer weinenden Knaben vorläufig zu beruhigen.
„Geh' jetzt zu Bette,“ ſagte ſie, anſcheinend beſänftigt. „Ich will mir auch die Sache überſchlafen. Vielleicht läßt ſich Herr Roſenberg morgen durch mich bereden und behält uns Beide noch in ſeinem Hauſe.“
Inſtinktmäßig fühlte Wilhelm, daß es doch nur ein leerer Troſt war, den ſie ihm gab. Sein Verſtand war früh gereift und trotz ſeines anſcheinenden Leichtſinns be⸗ ſaß er eine ſcharfe Beobachtungsgabe, eine für ſein Alter ſeltene Beurtheilungskraft. Deshalb ließ er ſich auch nicht ſo leicht beſchwichtigen und als die Pflegemutter ſchon längſt die kleine Oellampe ausgelöſcht hatte und ſich zum Ein⸗ ſchlafen anſchickte, lag er noch immer mit offenen Augen, ſeinen Befürchtungen hingegeben. Wunderlich genug ſah es in dem Kopfe des Jungen aus; es war ihm nicht ver⸗ borgen geblieben, daß Frau Schneider nicht ſeine rechte Mutter, daß ſeine Eltern entweder todt waren, oder ſich nicht um ihn kümmerten, daß er allein und ohne jede Stütze


