Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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nicht frei von jeder Schuld fühlte; aber ein derartiger Ausgang war ihm auch nicht im Entfernteſten in den Sinn gekommen. Zwar hatte ihm Frau Schneider, die er wie ſeine wirkliche Mutter liebte und auch ſo benannte, zuweilen damit gedroht, doch war es ihr nie Ernſt geweſen, wie er, ſchlau genug, ihr abmerkte. Diesmal aber brauchte er nur ihr ſtrenges Geſicht zu ſehen, um zu wiſſen, daß ſie nicht mit ihm ſcherzte. Er ſtand vernichtet, vollkommen nieder⸗ geſchmettert da und große Thränen liefen über ſeine Wan⸗ gen. Zum erſten Mal empfand er ſo ganz klar, daß er nur ein armer Waiſenknabe ſei und eigentlich Niemand in der Welt angehöre. Dieſer Gedanke war für ihn weit ſchrecklicher, als die Ausſicht, ſein Aſyl zu verlieren und in die fremde Welt hinaus geſtoßen zu werden. Mit einer mehr als kindiſchen Verzweiflung klammerte er ſich an die Pflegemutter an, welche das einzige Weſen war, das ihn bisher zu lieben ſchien und welches er mit aller Wärme ſei⸗ nes jungen Herzens wieder liebte. Sie vermochte nicht, ihn fortzuſtoßen, wieder in ihren Entſchlüſſen wankend ge⸗ macht durch ſeine Bitten. Die gute Frau hätte ihn gern behalten, aber eben ſo gern wäre ſie der Sorge für den heranwachſenden Jungen los geworden, der ihr mit jedem Tage mehr zur Laſt fiel, da ſie ſelber nur mit Mühe und Noth ihren Lebensunterhalt gewann. Auf der andern Seite rieth ihr der gewiß verzeihliche Egoismus, die willkommene