Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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„Ungerathener Schlingel!“ ſchrie ſie ihn an,„was haſt Du gemacht? Der Hauswirth hat mir ſo eben ge⸗ kündigt, wenn ich Dich nicht augenblicklich fortjage, und das will ich auch thun.“

„Liebſte, beſte Mutter,“ bat der erſchrockene Knabe, „ich will gewiß folgen, nur ſchicken Sie mich nicht fort. Mein Lebtag werde ich keinen feuerſpeienden Berg mehr los laſſen. Nur das eine Mal verzeihen Sie mir noch.“

„Ich kann nicht,“ antwortete die gute Frau,„ſelbſt wenn ich wollte. Herr Roſenberg duldet Dich nicht länger in ſeinem Hauſe und hat mir außerdem noch gedroht, bei der Polizei Anzeige zu machen. Mir bleibt nichts übrig, als Dich weg zu geben. Ich habe gewiß an Dir gehan⸗ delt, wie es Chriſtenpflicht iſt, Dich bis jetzt bei mir be⸗ halten, Dir zu eſſen gegeben und Dich gekleidet, was mir bei den theuren Zeiten ohnehin ſchwer genug gefallen iſt. Seit die Winklern geſtorben iſt, habe ich keinen Pfennig mehr für Dich bekommen und Alles muß ſein Ende haben. Das wirſt Du ſelber einſehen, denn an Verſtand fehlt es Dir nicht, wenn Du auch den Kopf voll dummer Streiche haſt. Es geht nicht länger ſo mit Dir und mit einem Worte, Du mußt fort, je eher, deſto beſſer.“

Das hatte der Knabe nicht erwartet; er war auf Prü⸗ gel gefaßt geweſen und gegen eine gehörige Tracht hätte er auch nichts einzuwenden gehabt, weil er ſich im Grunde