Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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zu hart für den unverbeſſerlichen Taugenichts. Am meiſten wüthete aber Herr Roſenberg, ergrimmt über die zer⸗ ſprungenen Fenſterſcheiben und noch mehr über die zum Glück nur unbedeutende Verwundung ſeines Benjamin's.

„Der Junge,“ ſchrie er mit zorngeröthetem Ge⸗ ſichte,„muß mir exemplariſch beſtraft werden. Das iſt keine Kleinigkeit! Das ganze Haus hätte in die Luft ge⸗ ſprengt werden können, oder wenigſtens abbrennen. Ich werde ſelber bei der Polizei Anzeige machen und auf die Einſperrung des Buben antragen. Noch heute muß er fort; ich kündige der Schneidern, wenn ſie ihn nicht augen⸗ blicklich wegjagt.“

„Und was ſoll aus der armen Waiſe werden, die weder Vater noch Mutter hat?“ fragte ein mitleidiger Schuhmacher, der Sprecher des Hinterhauſes, welcher ſel⸗ ber mit einer zahlreichen Familie geſegnet war.

„Das geht mich gar nichts an und Sie eben ſo wenig,“ ſchnaubte der wüthende Hauswirth, welcher keinen Widerſpruch und am wenigſten von den Miethern zweiter oder gar dritter Klaſſe ertragen konnte.

„Nun ich ſollte doch meinen, daß es Chriſtenpflicht iſt, ſich der Verlaſſenen anzunehmen,“ bemerkte der Schu⸗ ſter, aufgemuntert durch den Beifall der Seinigen, welcher ſich durch ein beiſtimmendes Murmeln zu erkennen gab. „Jugend hat keine Tugend, und wenn der Wilhelm ſich

1858. XV. Neue Stadtgeſchichten. II.

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