Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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Vorzug gab. Er verſtand es aber auch, ſie an ſich zu feſ⸗ ſeln; kein Junge konnte ſo hoch wie er einen Reifen werfen und ſo ſicher wieder auffangen, keiner ſo geſchickt klettern und von dem höchſten Baum, oder gar vom Dache den verworfenen Ball für Lieschen, oft mit Gefahr den Hals zu brechen, herunterholen. Ohne das Turnen gelernt zu haben, turnte er beſſer noch als Vater Jahn, denn es gab für ſeine geſchmeidigen Glieder keine Schwierigkeit, kein Hinderniß. Außerdem beſaß er eine merkwürdige Ge⸗ ſchicklichkeit im Erfinden und Anfertigen von allerhand Unterhaltungsmitteln; er baute die ſchönſten, holländiſchen Windmühlen; aus ſeiner Hand war ganz allein eine voll⸗ ſtändige deutſche Marine hervorgegangen, welche er mit Hülfe eines Meſſers aus Holzborke ſchnitt und in dem Kanal des Hofes vom Stapel laufen ließ, ſo bald dieſer durch einen vorangegangenen Regen angeſchwollen war. Bei ſolchen Gelegenheiten durfte Lieschen nicht fehlen und die junge Baroneſſe vergaß dann ſo weit ihre Abkunft, daß ſie die niedrigſten Dienſtleiſtungen bei ähnlichen Gelegen⸗ heiten übernahm, höchſteigenhändig Matroſendienſte ver⸗ richtete und der jungen, deutſchen Marine durch einen Stoß oder einen kühnen Griff auf die Beine half, wenn dieſelbe in's Schwanken gerieth, oder von der Strömung fortgeriſſen, gar unterzugehen drohte. Umſonſt boten ihre Eltern alle möglichen Mittel auf, um dieſen Umgang mit