Knieen ſpazieren ging. Abgerechnet dieſer kleinen Fehler war der Junge von Herzen gut; er wäre für ſie durch's Feuer gegangen, that was er ihr an den Augen abſehen konnte und zeigte ſich gegen alle Welt gefällig, am meiſten jedoch gegen daſſelbe Mädchen, welches jetzt mit ihm trotz des wiederholten Verbotes ihrer Eltern ſpielte. Sie war die Tochter des im Vorderhauſe wohnenden Barons von Freiſtadt und demnach einer weit höheren Lebensſphäre angehörig, aber Lieschen, oder die junge Baroneſſe Eliſe, wie ſie von den Bedienten, der Kammerfrau und ſelbſt der Gouvernante auf ausdrücklichem Befehl ihrer Mutter genannt werden mußte, machte ſich gar nichts aus dem Standesunterſchied und theilte nicht die Vorurtheile ihrer adligen Familie. Zum ſchweren Leidweſen derſelben zeigte ſie in vielen Fällen wirklich auffallend plebejiſche Neigun⸗ gen, denen man ſich gezwungen ſah nachzugeben, da ſie das einzige Kind ihrer Hochgeborenen Eltern war und blieb. Sie theilte mit ihrem Freunde aus dem Hinter⸗ hauſe nicht nur ihre Semmel, Obſt und Leckerbiſſen aller Art, ſondern auch ſeine oft ſehr wilden und für eine wohl⸗ erzogene Demoiſelle von zehn Jahren keineswegs paſſenden Spiele und Vergnügungen. So oft ſie konnte, entſchlüpfte ſie der Aufſicht ihrer Gouvernante und trieb ſich im Hofe mit Wilhelm herum, der ihr dermaßen geſiel, daß ſie ihm vor aller ebenbürtigen und ariſtokratiſchen Geſellſchaft den
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