der vollkommen ausgeprägte Proletarier im grauen Lein⸗ wandkittel, mit grobem Hemdekragen, ohne Mütze und Halstuch. Seine gebräunten Wangen bezeugten, daß er ſich nicht vor Wind und Wetter ſcheute; lieber auf der Straße ſich herumtrieb, als in der Stube, oder gar auf der Schulbank ſaß. Wild und verworren hing das braune, flatternde Haar um die freie, offene Stirn, unter der die ſchwarzen, brennenden Augen bald finſter und trotzig, bald wieder heiter und lachend hervorſchauten, je nachdem das leicht bewegliche Herz des Knaben in ſchnellem Wechſel der Stimmung berührt wurde. Schön war grade das dunkle, von der Sonne verbrannte Geſicht nicht zu nennen, aber ein Zug von Schalkheit und gutmüthiger Treuherzigkeit verlieh ihm einen eigenen Reiz. Der Junge, welcher Wilhelm Hornung hieß, hatte es zwar, wie man zu ſagen pflegt, fauſtdick hinter den Ohren ſitzen, aber ein Duckmäuſer war er darum doch nicht. Er konnte wohl einen und noch mehr als einen dummen und leichtſinnigen Streich begehen, aber ſicher keine Schlechtigkeit, dazu ſah er zu ehrlich aus, obgleich er den Schalk im Nacken hatte und ſeine übermüthige Eulenſpiegel⸗Natur unvermuthet zuweilen hervorbrach. Seine Pflegemutter, die Wittwe Schneider, welche ſich von allerlei kleinen Hanthierungen und Geſchäften ernährte, hatte ihre liebe Noth mit ihm und mehr als ein Mal war ſie ſchon Willens den Knaben,
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