Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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ſich den lieben, langen Tag zum Aerger des geſtrengen Hauswirthes auf dem Hofe und vor den Thüren herum⸗ treibt. Zwiſchen den Bewohnern des Vorder⸗ und des Hinterhauſes findet ſo gut wie gar keine Gemeinſchaft ſtatt, höchſtens bilden die Dienſtboten des Erſteren eine Art von Verbindungslinie mit den Letzteren, ſo daß die vornehmen Herrſchaften allerlei ſchauderhafte Geſchichten erfahren, wie der Korbmacher im Hintergebäude ſeine Frau neulich ſchwer gemißhandelt, wie das Kind der Scheuer⸗ frau ſich faſt verbrannt hätte und ähnliche wichtige Ereig⸗ niſſe, wogegen die Anderen ebenfalls die Kunde von allerlei vielleicht noch intereſſanteren Vorfällen durch denſelben Kanal erhalten. Die Gränzſcheide zwiſchen den beiden getrennten Gebieten iſt der gemeinſchaftliche Hof, welcher allerdings nur ſelten und in gewiſſen Ausnahmefällen von der vorderen Geſellſchaft betreten wird. Deſto öfter be⸗ gegnen ſich die Kinder der verſchiedenen Parteien auf dem neutralen Boden und knüpfen ſo zuweilen ein freundſchaft⸗ liches Verhältniß mit einander an, da ſie ſich noch in dem glücklichen Alter befinden, wo man entweder keine Standes⸗ unterſchiede kennt, oder noch leichter darüber hinwegſieht. So ſpielten auch jetzt auf dem Hofe eines ſolchen Gebäudes in der Ludwigsſtraße zwei Kinder, deren Kleidung und Ausſehn auf den erſten Anblick ihre entgegengeſetzte Lebens⸗ ſtellung verriethen. Der Knabe von dreizehn Jahren war 4 1 1* 5 2