Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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er einen Brief, worin er Antonien als die eigentliche Ur⸗ ſache ſeines Todes anſchuldigte, indem er vorgab, nur aus Verzweiflung über ihre Liebloſigkeit und ihr ſtrafbares Benehmen ſich das Leben nehmen zu wollen. Das Schrei⸗ ben legte er auf ſeinen Arbeitstiſch, wo es am nächſten Tage gefunden werden mußte. Durch die Veröffentlichung deſſelben hoffte er ſeiner Frau für immer in der öffent⸗ lichen Meinung zu ſchaden und den Fluch der allgemeinen Verachtung auf ihr ſchuldloſes Haupt zu laden. Ein letztes Lächeln der Schadenfreude verzerrte das entſtellte Geſicht, wenn er an die Folgen ſeiner Rache dachte. Hierauf wußte er unter irgend einem Vorwande ſeinen Bedienten zu ent⸗ fernen, der die Stelle eines Krankenwärters bei ihm zu⸗ gleich verſah. Sobald derſelbe gegangen war, ſchenkte er aus einer bereit ſtehenden Flaſche ſich mehrere Gläſer Champagner ein, die er ſchnell hintereinander hinunter ſtürzte. Er bedurfte einer ſolchen künſtlichen Stärkung, dieſes berauſchenden Mittels, um ſeine zitternden Nerven und Lebensgeiſter zu beleben. Noch einen Blick warf er auf ſeine Umgebung, dann griff er zu dem Piſtol, das ver⸗ borgen in einem Schubfach ſeines Bureaus lag. Ein Schauer faßte ihn, als er den Hahn ſpannte und in die dunkle Mündung ſah. Zweimal legte er die Waffe wieder fort, da ihm der Muth fehlte. Ein Blick in den Spiegel zeigte ihm ein todtenbleiches Geſicht, das ſeiner Angſt zu