Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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ſpotten ſchien. Er ſtieß ein gräßliches Gelächter aus und griff zum drittenmal nach dem Piſtol, das er an ſeine Stirn, wie zum Verſuche, ſetzte. Ein faſt willenloſer Druck mit dem Finger und der Elende hatte geendet.

Ein Jahr mochte ſeit dieſer Kataſtrophe vergangen ſein, als Antonie Bolten ihre Hand reichte. In einer kleinen Vorſtadtkirche fand die Trauung ſtatt, bei welcher Niemand zugegen war als Doctor Braun mit ſeiner Gattin und Baron Wallenberg, der in jener verhängnißvollen Nacht ſich die Achtung der edlen Frau wieder zu gewinnen wußte. An demſelben Abend reiſte das Ehepaar nach ſeinem Beſtimmungsorte ab, einer kleinen Provinzialſtadt, wo Bolten die beſcheidene Stelle eines Gerichtsdirectoͤrs bekleidete. Sein Nachfolger, als vortragender Rath im Miniſterium, wurde Aſſeſſor Hillebrand, der die Tochter ſeines hohen Vorgeſetzten glücklich als Gatte heimgeführt hatte. Bolten beneidete ihn nicht, glücklich im Beſitze ſeiner Geliebten.

Wird es Dir auch, fragte er ſie beim Eintritt in ſeine Wohnung,in dieſen kleinen und beſchränkten Ver⸗ hältniſſen gefallen?

Du kannſt noch fragen? antwortete ſie.Ich habe nicht umſonſt die Schule des Lebens kennen gelernt. Das wahre Glück beruht nicht auf Reichthum, Rang und Stel⸗

1858. XIV. Neue Stadtgeſchichten. I. 13