Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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bei ſolch traurigen Gelegenheiten an das Tageslicht ge⸗ zerrt, von unberufenen Händen angetaſtet und der Ver⸗ leumdung, der gehäſſigſten Deutung Preis gegeben. An⸗ tonie litt unausſprechlich, nur der Gedanke ſchützte ſie vor Verzweiflung, endlich die verhaßte Verbindung gelöſt und ſich befreit zu ſehen. Während ihr Vater und gerichtlicher Beiſtand die ganze Angelegenheit mit läſſigem Wider⸗ willen betrieb, war der erbärmliche Gatte unerſchöpflich in Ränken, Ausflüchten und Hinderniſſen. Er ſcheute ſich nicht, ſelbſt vor Gericht die beleidigendſten Anſchuldigungen vorzubringen. Mit kalter Berechnung häufte er Kränkung auf Kränkung, Schmähung auf Schmähung, um Antonien hier ſowohl wie in der öffentlichen Meinung vollends zu Grunde zu richten. Er erlangte wenigſtens ſo viel dadurch, daß ſich der Prozeß über Gebühr in die Länge zog und die Unglückliche täglich neue und bittere Schmerzen um ſeinetwillen erdulden mußte. Noch war kein Ende abzu⸗ ſehen, als ein neues Ereigniß den verwirrten Knoten mit einem Male löſte. Die zügelloſen Ausſchweifungen, welchen Eſſling ſich von jeher und beſonders in letzter Zeit ergeben, hatten ſeine Geſundheit vollends zerrüttet. Ein krebs⸗ artiges Geſchwür, das immer mehr und ſchnell um ſich griff, warf ihn auf das Krankenlager. Die Aerzte erklärten ſein Uebel für unheilbar und er ſelbſt fühlte die Wahrheit ihres Ausſpruchs. Von den Qualen der Hölle ergriffen,