189
fernung aus dem Staatsdienſte mit Ungeſtüm drangen. Kam es auch nicht zu dieſem Aeußerſten, ſo erfuhr er doch noch an demſelben Tage die Folgen ſeiner Handlungsweiſe. Ein Handſchreiben des Miniſters kündigte ihm ſeine Ver⸗ ſetzung in eine entfernte Provinz an, wohin er in eine ziemlich unbedeutende Stelle mit einem geringen Gehalte verbannt wurde. Keine Klage über ſeine vereitelten Hoff⸗ nungen und Ausſichten entſchlüpften ſeinen Lippen; mit männlicher Faſſung und Würde nahm er ſein Schickſal hin, indem er mit ſich ſelbſt zufrieden war. Die wenigen Tage, welche ihm noch vergönnt waren, in der Reſidenz zu verweilen, brachte er in Geſellſchaft ſeines Freundes, des Doctor Braun und deſſen Gattin zu. In ihrer Woh⸗ nung traf er auch noch einmal vor ſeiner Abreiſe mit Antonien zuſammen. Ihr feuchter Blick, der Druck ihrer zarten Hand, entſchädigten ihn hinlänglich für die Ungnade des Miniſters. Sie ſprach ihren Dank nicht in Worten aus, aber als er von ihr ſchied, nahm er das Bewußtſein mit, von ihr geliebt zu werden, wie noch nie ein Mann.— Endlich gab auch ihr Vater ihren Bitten nach und ertheilte ſeine Einwilligung zu der beabſichtigten Scheidung, welche ohne fernere Hinderniſſe vom Gericht auch eingeleitet wurde. Es war dies eine trübe Zeit für ſie. Das ganze Privatleben, die innerſten Geheimniſſe eines Frauen⸗ herzens, die geheimſten Gefühle und Handlungen werden


