Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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Antonie nippte mit den Lippen den feinen Schaum und ſtellte dann das Glas zur Seite, weil ſie nicht mehr trinken wollte. Während ſich Wallenberg, ſchon halb berauſcht, unbemerkt glaubte, griff er nach dem Reſt, den ihr ſchöner Mund berührt hatte, und ſtürzte denſelben in einem Anfalle verliebter Raſerei hinunter. Antonie ſah zum Glücke nichts, um ſo ſchärfer ihr Mann. Ein dämo⸗ niſches Lächeln zuckte über ſein Geſicht.

Jetzt iſt der Narr ſo weit, dachte er im Stillen, wie ich ihn haben will. Was der Wein allein nicht ver⸗ mocht hat, wird die Liebe vollends thun. Wenn Antonie nicht mit ihrer Prüderie mein Spiel verdirbt, ſo bring' ich ihn dahin, den Contract noch heute ungeſehen zu unter⸗ ſchreiben. Ich muß mich beeilen, ehe er die Beſinnung ganz verliert.

Plötzlich hob Eſſling die Tafel auf und erklärte, daß er ſich nur auf einen Augenblick entfernen müſſe, um die Urkunde zu holen, welche in dem benachbarten Cabi⸗ nette lag.

Meine Frau, fügte er mit einem Seitenblick hinzu, wird Ihnen während meiner Abweſenheit Geſellſchaft leiſten.

Ich wünſche mir keine beſſere, antwortete der Baron.

Hoffentlich werden Sie ſich nicht langweilen.

Sie verdienen, für dieſen Zweifel geſtraft zu werden.