Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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„Alle Weiber ſind auf einen Schlag; ſie iſt nicht beſſer wie die Andern und wird ſich bald in ihre Rolle finden.“

Es dunkelte bereits, als Herr von Wallenberg zum Souper erſchien. Antonie erwiederte ſeinen Gruß freund⸗ licher als ſonſt, um ſich den Wünſchen ihres Mannes ge⸗ fällig zu zeigen. Ihr bezauberndes Lächeln und ihre unge⸗ wohnte Freundlichkeit ſetzten das leicht entzündliche Blut des Barons in heftige Bewegung; er glaubte, daß ſie endlich beſiegt von ſeiner zärtlichen Beharrlichkeit, ſich für ihn intereſſirte. In beſter Stimmung knüpfte er mit ihr ein längeres Geſpräch an, dem ſie heute auch mit größerer Theilnahme zuzuhören ſchien. Eſſling begnügte ſich mit der Rolle des Beobachters, indem er mit ſcharfen Blicken das Paar verfolgte. Von Zeit zu Zeit, wenn Antonie die Galanterien Wallenberg's nach ſeiner Meinung zu kalt aufnahm, machte er ihr ein halb bittendes, halb ermah⸗ nendes Zeichen, um ſie an ihr Verſprechen zu erinnern. Unterdeß kündigte der Bediente an, daß das Souper auf die Herrſchaften warte. Der Baron reichte Antonien ſeinen Arm und führte ſie in den kleinen Saal, wo angerichtet war. Mit wahrhaft verſchwenderiſchem Luxus war hier ein Mahl bereitet, das den vollkommenſten Feinſchmecker mit Bewunderung erfüllt hätte. Die ſeltenſten Leckerbiſſen hätten auch den verwöhnteſten Gaumen befriedigt und entzückt. Was die Jahreszeit nur Seltenes und Koſtbares