Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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„Wenn Du mit ihm zu thun haſt, ſo nimm ihn auch in Deinem Zimmer auf. Bei mir hat er nichts zu ſuchen und ich bitte Dich, es ihm ſelbſt zu ſagen, damit ich nicht dazu gezwungen werde.“

„Das geht nicht an. Ich habe meine Gründe und ich wünſche, daß Du dem Baron mit der nöthigen Höflich⸗ keit begegneſt.“

„Das kann ich nicht verſprechen.“

„Wenn Du meine Wünſche nicht erfüllen willſt, ſo werde ich einen andern Ton anſtimmen müſſen. Ich befehle Dir, Herrn von Wallenberg nach wie vor zu empfangen. Verſtehſt Du mich!“

Dieſe Drohung, welche Eſſling in einem kurzen, ſcharfen Tone ausſtieß, war von einem wüthenden Blick begleitet, der ſie Alles, ſelbſt die UAnwendung roher Gewalt befürchten ließ. Es blieb ihr nichts übrig, als vorläufig zu gehorchen und auf ihrer Hut zu ſein. Der Baron ſetzte nach wie vor ſeine Beſuche fort, die ſie ruhig dulden mußte. Anfänglich beobachtete er auch eine gewiſſe Zurückhaltung, erſt nach und nach wurde ſein Betragen und ſeine Sprache leidenſchaftlicher; doch ein ſtrenger Blick aus ihren ſchönen Augen, eine ſtolze Bewegung wieſen ihn in ſeine Schranken zurück.

Er war noch nicht ſo verdorben, um die Liebe einer Frau erzwingen zu wollen; auch ſchmeichelte es ſeiner