Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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und es blieb ihm nichts übrig, als der ehrenvollen Ein⸗ ladung Folge zu leiſten. Mit ſchwerem Herzen ſtieg er die breite Treppe des Miniſterhotels hinauf, wo ihn der Kammerdiener höflich empfing und in das Theezimmer geleitete.

Die Miniſterin kam ihm mit wohlgemeinten Vor⸗ würfen und freundlichem Lächeln entgegen.

Die Geſellſchaft war eine auserleſene zu nennen, nur die nächſten Hausfreunde und Verwandten waren zugegen, ſo wie einige jüngere Beamten, welche der Miniſter vor⸗ zugsweiſe mit ſeiner Gunſt beehrte. Unter dieſen befand ſich auch der Aſſeſſor Hillebrand, ein talentvoller, aber ehr⸗ geiziger Mann, der auf dem beſten Wege war, ſeine Car⸗ riere, wie man zu ſagen pflegt, zu machen. Er bewarb ſich auffallend um die Gunſt der Haustochter, die ſich ſeine Huldigungen gefallen ließ, da ihm eine ausgezeichnete Unterhaltungsgabe und eine große perſönliche Liebens⸗ würdigkeit zu Gebote ſtanden. Nichts deſto weniger brach ſie das eben begonnene Geſpräch mit ihm ab, ſo bald ſich Bolten ihr mit ſeinem Gruße näherte.

„Guter Gott!“ ſagte ſie mit erheucheltem Erſtaunen. „Es geſchehen noch Wunder in dieſer glaubensarmen Zeit. Herr Geheimrath Bolten läßt ſich wieder in Geſellſchaft ſehn.“