Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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geſtatten, mitzureden und gar noch in eine Angelegenheit, die unſre eigentliche Domäne ausmacht. Wo das Herz und die Liebe im Spiele ſind, müſſen wir Frauen ganz allein den Ausſchlag geben; denn dafür ſeid ihr Männer ohne Ausnahme viel zu unerfahren.“

„Vortrefflich!“ lachte Julien's Gatte.„Du haſt wie ein Demoſthenes geſprochen.“

„Ich bin beſiegt,“ fügte Bolten hinzu, indem er galant Julien's Hand an ſeine Lippen führte.

Im Grunde ſeines Herzens war er froh, daß das ernſthafte Geſpräch eine ſolche Wendung durch die kluge und gewandte Frau genommen hatte. Antonie drückte der Freundin unbemerkt die Hand. Auf ſie hatte indeß die Art und Weiſe, wie Bolten gegen die Eheſcheidung auf⸗ getreten war, einen tiefen Eindruck gemacht. Sie hatte im Stillen ſchon darüber früher nachgedacht und eine Trennung ihrer Verbindung als die letzte Zuflucht an⸗ geſehen, obgleich ſie bisher dieſem Gedanken nur wie einem Traume nachgehangen, mit dem der Unglückliche ſich in ſeinen Leiden zu tröſten ſucht. Bolten's Anſicht ſchien ihr auch dieſen Ausweg zu verſperren; ſeine Gründe hatten ſie zwar nicht überzeugt, aber doch wenigſtens erſchüttert. Der einmal angeregte Gegenſtand klang indeß in ihrer Seele nach und indem ſie nochmals alle Behauptungen, die dafür und dagegen ſprachen, reiflich immer von Neuem