Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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„Und warum denn nicht, wenn man fragen darf?“ ſcherzte Julie in demſelben Tone.„Weil Ihr Euch die Herrn der Schöpfung nennt, glaubt Ihr auch alle Weisheit gepachtet zu haben. Daß ſich Gott erbarme! Wir werden nicht gefragt und nicht gehört; darum ſieht es auch jetzt ſo elend in der Welt aus. Iſt es nicht eine ſchändliche Un⸗ gerechtigkeit und Einſeitigkeit bei einem Geſetze, das uns am meiſten angeht, unſre Anſicht gänzlich zu überſehen? Eure Geſetze ſind auch darnach und ich ſtimme dem großen Rechtslehrer von ganzen Herzen bei, der unſerer Zeit die Fähigkeit der Geſetzgebung gänzlich abgeſprochen hat, gewiß lediglich nur, weil die Frauen nicht dabei betheiligt werden.“

„Ich bin neugierig,“ bemerkte Bolten, für Julien's Dazwiſchenkunft dankbar,„wie Sie den Beweis für Ihre Behauptung führen wollen.“

„Nichts leichter. Das Geſetz iſt aus der Sitte hervorgegangen. Das müſſen Sie mir doch zugeſtehen.“

„Auf Sitte und Gebrauch beruht allerdings jede Geſetzgebung.“

„Wer aber bewahrt die Sitte, als die Frau allein; ſie iſt die Hüterin und Beſchützerin dieſes Heiligthums und wird als ſolche auch von jeher anerkaunt und geprieſen. Folglich beruht nach Ihren eigenen Worten die ganze Ge⸗ ſetzgebung lediglich auf uns und die Männer ſollten Gott und unſerer Güte danken, daß wir ihnen überhaupt noch

1858. XIV. Neue Stadtgeſchichten. I. 10

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