Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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auch die Folgen einer Ehe, welche lediglich aus Leiden⸗ ſchaft, ohne Berückſichtigung der äußeren Verhältniſſe ge⸗ ſchloſſen wird.

„Deine Freundin Julie,“ ſagte die erfahrne Mutter, „mag Dir zur Warnung dienen. Du kennſt aus eigner Anſchauung die Lage einer Familie, welche mit der Noth zu kämpfen und ſich täglich Beſchränkungen aufzulegen hat. Jede nöthige Ausgabe wird ein Quell von neuen Streitigkeiten. Die fortwährende Sorge um die Exiſtenz raubt einer ſolchen Ehe alle Freude, jeden Genuß. Die Kinder ſelbſt, welche andern Eltern das größte Vergnügen machen, werden unter ſolchen Umſtänden eine neue Laſt. Du erinnerſt Dich gewiß, mit welchem Schrecken Deine Freundin ihrer zweiten Entbindung entgegenſah. Wie traurig ſah ſie den Zeitpunkt herannahen, der mit faſt unerſchwinglichen Ausgaben für ſie verbunden war. Ihr Mann war dadurch ebenfalls auf das tiefſte verſtimmt und ließ häufig an dem unſchuldigen Weibe ſeinen Un⸗ muth aus. Dabei muß Zulie arbeiten wie eine Magd und verſagt ſich ſelbſt das kleinſte Vergnügen. Neulich, als ich ſie auf Deine Bitten zu einer Geſellſchaft geladen hatte, war ſie gezwungen, mir abzuſagen, weil es ihr an einem paſſenden Kleide fehlte, wie ſie Dir unter Thränen geſtand. Sage Du ſelber, ob Du Dir ſolche Entbeh⸗ rungen auferlegen willſt. Wir wollen Dich durchaus nicht

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