Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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Was das Vermögen betrifft, ſo kenne ich keine beſſere Partie für Dich. Eſſling junior beſitzt ſelbſt mehrere hun⸗ derttauſend Thaler und wird einſt ſeinen Vater beerben.“

„Aber ſein Ruf,“ wandte Antonie ein,„ſoll, wie ich gehört habe, nicht der beſte ſein.“

„Ich habe die nöthigen Erkundigungen bereits ein⸗ gezogen; ſie lauten allerdings nicht übertrieben günſtig. Im Ganzen iſt er nicht ſchlimmer, wie die meiſten jungen Leute in ſeinem Alter. Ich halte Dich für vernünftig genug, um die Welt zu nehmen, wie ſie einmal iſt. Man muß ihr Urtheil weder ganz verachten, noch ein allzu großes Gewicht darauf legen. Ich kenne manchen Mann, der es in ſeiner Jugend arg getrieben hat, und der jetzt als Muſter der Solidität gilt. Die Ehe hat ſchon Viele gebeſſert und eine kluge Frau vermag aus uns zu machen, was ſie will.“

„Ich fühle mich durchaus nicht berufen, ein ſo ge⸗ fährliches Experiment vorzunehmen. Mit einem Worte, der junge Eſſling gefällt mir nicht. Sie thun am Beſten, wenn Sie ihm ſogleich abſchreiben, da ich feſt entſchloſſen bin, ihn abzuweiſen.“

Brandeis war auf eine derartige entſchiedene Ant⸗ wort nicht gefaßt; er glaubte ſeine Tochter zu kennen und kannte ſie auch beſſer, als ſie ſich ſelber. Antonie folgte hier nur wieder der Eingebung ihres Herzens, die ſtets

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